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Glück Auf, Glück Auf der Steiger ...

Im südlichen Sachsen-Anhalt befindet sich eine 7.500 Hektar große Braunkohlelagerstätte aus dem Tertiär (Eozän). Breits 1698 wurde hier - urkundlich belegt - Braunkohle abgebaut. Am 30.06.1993 wurde der Tagebergbau eingestellt und zurück blieb ein Tagebaurestsee - der Geiseltalsee. Zehn Jahre später fiel mit der Flutung der Startschuss für die Entstehung des größten künstlichen Sees in Deutschland, an dessen Nordufer nach Süden ausgerichtet der "Goldene Steiger" - ein Müller-Thurgau - wächst.

Geschichte

Obwohl bereits 1698 mit dem Kohleabbau begonnen wurde, gewann die Braunkohleförderung erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an Bedeutung. Die umliegenden Zuckerfabriken waren Abnehmer der Gruben. Das Ausmaß der Förderung hielt sich mit 4,4 Millionen Tonnen zwischen 1861 und 1905 aber in Grenzen.

Die fortschreitende Industrialisierung und neue Erkenntnisse über das Ausmaß der Lagerstätte führten ab 1905/06 zu einer großtechnischen Erschließung mit den Tagebau Elisabeth (1907), Rheinland (1907), Cecilie (1907), Beuna (1907), Leonhardt (1910), Vesta (1910), Gute Hoffnung (1911), Pfännerhall (1911) und Elise (1912). Zwischen 1897 und 1913 wurden acht Brikettfabriken zur Weiterverarbeitung errichtet. Die im Geiseltal geförderte Braunkohle diente aber nicht nur der Energiegewinnung für die umliegenden Zuckerfabriken, sondern wurde auch als Rohstoff für die entstehende chemische Industrie verwendet, wodurch die Ansiedlung von entsprechenden Produktionsstätten beschleunigt wurde. So entstand 1917 in Leuna die erste großtechnische Anlage zur Produktion von Ammoniak. Der Bau der Buna-Werke, das weltweit erste Synthesekautschukwerk der I.G. Farben, begann 1936 in Schkopau. Im selben Jahr wurde auch das Mineralölwerk Wintershall AG in Krumpa errichtet.

Mit der Intensivierung des Tagebaues nach 1945 wurden 18 Siedlungen ganz oder teilweise überbaggert und 12.500 Menschen umgesiedelt. Sowohl der Lauf der Geisel als auch die Eisenbahnlinie Merseburg-Mücheln mussten viermal verlegt werden.

Projekt "Geiseltaler Seenkomplex"

Die verbliebenen riesigen Tagebaurestlöcher führten schon in DDR Zeiten zu Überlegungen einer weiteren Nutzung, wobei zunächst jedoch nur an einen Wasserspeicher gedacht wurde.

Nach der Wiedervereinigung wurden diese Ideen wieder aufgegriffen. 1991 richtete sich das Augenmerk auf die Planung mit dem Ziel, unter den Namen "Geiseltaler Seenkomplex", ein überregionales Erholungs- und Freizeitgebiet zu errichten. Nach umfangreichen Erd- und Sanierungsarbeiten konnte am 30. Juni 2003 - am Tag genau zehn Jahre nach der Einstellung des Tagebaues im Geiseltal - mit der Flutung mit Saalewasser (70 Mio m3/a) begonnen werden. Heuer ist das Ende der Flutung geplant. Mit einer Fläche von 2.500 Hektar, einer Wassermenge von 426 Millionen Kubikmeter und einer Uferlänge von 41 km ist so der größte künstliche See Deutschlands entstanden. Zur Porenwasserauffüllung des Absenkungstrichters und als Ausgleich zur Verdunstung wird noch 20 Jahre lang Stützwasser aus der Saale in den Geiseltalsee gepumpt.

Weinbau am Geiseltalsee

Eigens entwickelte Techniken, Hilfe von Universitäten, die Ausdauer und der Glaube an die Vision ermöglichten den Weinbau am Geiseltalsee. Die Pionierfamilie Reifert aus Freyburg teilt dieses Erfolgsrezept, indem sie interessierten Personen eine Weinpatenschaft anbietet.

Klaus Tolliner konnte als Absolvent der Montanuniversität nicht wiederstehen und ist stolzer Pate von drei Weinstöcken der Rebsorte Müller-Thurgau. Daraus wird der "Goldene Steiger" gekeltert. "Es ist wirklich beeindruckend was hier aus den Tagebaurestlöchern und den Abraumhalden gemacht wurde. Bald wird man die "Wunden" in der Landschaft nicht mehr erkennen", so Tolliner beim Besuch "seiner Weinstöcke". Auch über den Gegenwert für seine Patenschaft, sechs Flaschen "Goldener Steiger" mit eigenem Etikett, durfte sich Tolliner freuen.

 

Eindrücke vom Geiseltalsee

Blick vom Wesstufer des Geiseltalsees
Reihe 18, die Weinstöcke für den "Goldenen Steiger" repräsentiert durch die Weinprinzessin Sandra Jacob
Reihe 18, die Weinstöcke für den "Goldenen Steiger" repräsentiert durch die Weinprinzessin Sandra Jacob
Detail eines Fruchtstandes eines Weinstocks
Schild für den Nachweis der Patenschaft: "Weinstock #50/Reihe 18 Dipl.-Ing. Klaus D. Tolliner"
Schild für den Nachweis der Patenschaft: "Weinstock #49/Reihe 18 Dipl.-Ing. Klaus D. Tolliner"
Barbara Tolliner vor den Weinstöcken 49, 50, 51 für die eine Patenschaft übernommen wurde
Klaus Tolliner vor den Weinstöcken 49, 50, 51 für die eine Patenschaft übernommen wurde
Bick über den mit 30% Steigung abfallenden Weinberg auf den Geisektalsee

Geiseltal vor dem Strukturwandel

Karte vom Geiseltal mit Kennzeichnung der wegen des Braunkohleabbaus umgesiedelten Ortschaften
Kohlegrube und Brikettfabrik der Anhaltinischen Kohlewerke, 1920
Grube Leonhardt, 1950
Tagebau Goitzsche, 1991
Tagebaurestloch Mücheln, 1993
Blick in Tagebaurestloch Goitzsche, 2000
Sanierungsarbeiten im Tagebaurestloch Mücheln, 2001
Blick auf den entstehenden Geiseltalsee im Tagebaurestloch Mücheln, Kennzeichnung der angrenzenden Ortschaften, 2003
Anpflanzung von Wein auf der Halde Klobikau am Nordrand des ehemaligen Tagebaus Mücheln, 2004

(Mit freundlicher Genehmigung durch Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung Sachsen-Anhalt (LISA))

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